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Von Datensilos zur zentralen Plattform –
Der Schlüssel zum Erfolg im Automotive Aftermarket

Inhalt
Der Independent Automotive Aftermarket (IAM) ist heute anspruchsvoller und dynamischer denn je. Während der IAM früher durch den physischen Vertrieb von Ersatzteilen und persönliche Beziehungen geprägt war, hat sich der Markt mittlerweile zu einem großen Teil in den digitalen Raum verlagert.
Zusätzlich zu dieser Verlagerung stehen freie Teilehersteller und Händler vor weiteren gewaltigen Herausforderungen: Fahrzeuge werden zu „Computern auf Rädern“, die ihre Daten exklusiv an die Hersteller (OEMs) senden. Neue Player wie E-Commerce-Riesen erhöhen gleichzeitig den Preisdruck und die technische Komplexität durch E-Mobilität und Sensortechnik (ADAS) explodiert zusätzlich.
In diesem Umfeld gewinnt nicht mehr zwangsläufig derjenige mit den besten Produkten. Der Vorteil liegt klar bei demjenigen, der die richtigen Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Point-of-Sale liefert.
1. Der IAM – Ein Markt mit besonderer Datenlogik
Der Automotive Aftermarket unterscheidet sich grundlegend von vielen anderen B2B Branchen. Im IAM tätige Unternehmen verkaufen keine isolierten Produkte, sondern passende Lösungen für konkrete Fahrzeuge (welches Teil ist für welche Fahrzeuge, Motorisierungen aus welchem Baujahr in welchen Varianten geeignet).
Diese Fitment-Logik führt zu einer außergewöhnlich hohen Datenkomplexität:

Fehler in diesen Daten wirken sich unmittelbar wirtschaftlich aus. Falsche Fahrzeugzuordnungen erzeugen Retouren, fehlende Attribute verhindern Listungen.
Dies führt nicht nur zu unzufriedenen Kunden und finanziellen Verlusten, sondern kann im schlimmsten Fall ernsthafte Sicherheitsrisiken bedeuten.
Zu dieser Produktkomplexität kommen die sich rasant ändernden Bedingungen am Fahrzeugmarkt und die damit einhergehende Notwendigkeit immer schneller auf Marktveränderungen zu reagieren.
Erschwert wird das durch die Tatsache, dass viele Unternehmen ihre Informationen an verschiedenen Stellen verteilt statt zentralisiert abgelegt haben:

Bei dieser Kombination aus zunehmender Datenkomplexität und breiter Verteilung von Produktdaten und –medien ist klar, dass manuelle Prozesse längst an ihre Grenzen stoßen.
2. Funktionsübergreifende Plattformen für betriebliche Effizienz
Zusätzlich zur Datenkomplexität ist der Automotive Aftermarket von hoher Unsicherheit geprägt. Lieferketten verändern sich, Produktportfolios wachsen und Anforderungen von Kunden, Marktplätzen und Datenökosystemen ändern sich kontinuierlich.
In einem solchen Umfeld wird Anpassungsfähigkeit zur zentralen Fähigkeit von Organisationen. Diese entsteht jedoch nicht durch einzelne Tools, sondern durch funktionsübergreifende Plattformen, die gemeinsame Prozesse, Datenmodelle und Governance ermöglichen.
Diese Plattformen bündeln Kernfunktionen, reduzieren Redundanzen und schaffen die Grundlage für Skalierbarkeit. Sie ermöglichen Versionierung, Wiederverwendung und eine klare Steuerung über Organisationseinheiten hinweg. Durch die Nutzung dieser gemeinsamen Systeme und Schnittstellen wird Komplexität reduziert wird.
Laut Roland Berger bleibt in der Praxis dieses Potenzial jedoch oft ungenutzt, weil alte Silostrukturen fortbestehen und gemeinsame Governance fehlt. In der Automobilzulieferindustrie verfügen nur 7 % der Unternehmen über ausgereifte Plattformen. Dabei behindern Silos nicht nur die Flexibilität, sondern hindern das Unternehmen auch daran, die Vorteile einer plattformbasierten Datennutzung wie etwa die Versionskontrolle und Skalierbarkeit voll auszuschöpfen.

Um in volatilen IAM zu bestehen, müssen Unternehmen daher unbedingt der Etablierung von cross-funktionalen Plattformen Priorität einräumen.
2.1 Warum ein PIM-System im Aftermarket unverzichtbar ist
Eine für den IAM sinnvolle cross-funktionale Plattform ist ein Product Information Management System (PIM). Ein PIM ist im Automotive Aftermarket kein optionales Zusatzsystem sondern eine strukturelle Notwendigkeit.
Ein PIM-System dient:
Ein PIM-System dient damit nicht nur der Verwaltung von Produktinformationen. Durch seinen Status als zentrale Business Plattform trägt es aktiv zur Wertschöpfung des Unternehmens bei.
2.2 Warum ein Standard-PIM nicht ausreicht
Ein PIM fungiert als Single Source of Truth, zentralisiert Daten und eliminiert Datensilos. Der Automotive-Sektor hat eine Besonderheit: Die Fahrzeugverknüpfung. Während Standard PIM-Systeme generell gut darin sind, Attribute wie „Farbe“ oder „Größe“ zu verwalten, scheitern sie oft an der immensen Tiefe der Datenstandards im Automobilsektor.
Somit ist klar: die Akteure des IAM brauchen ein branchenspezifisches PIM.
Denn die Auswahl eines PIM-Systems im Automotive Aftermarket ist weit mehr als eine IT-Entscheidung. Sie ist eine strategische Weichenstellung für die Zukunft des Unternehmens. Denn wer im IAM erfolgreich sein will, braucht mehr als ein klassisches Produktdaten-Tool.
3. Vergleich der PIM-Ansätze im Automotive Aftermarket
3.1 AutomotivePIM: Das spezialisierte PIM für den IAM
AutomotivePIM ist eine konsequent auf den Independent Automotive Aftermarket zugeschnittene PIM-Software.
Im Mittelpunkt steht nicht einfach die Verwaltung von Produktinformationen. AutomotivePIM bringt ein vorkonfiguriertes Datenmodell mit, das auf Aftermarket-Logiken ausgelegt ist. Als branchenspezifische Plattform sind hier Produktdaten, Fahrzeuglogik, Referenzen, Varianten, Medien und Publishing-Möglichkeiten integraler Bestandteil.
Vorteile
- Branchenlogik ist sofort verfügbar und reduziert Modellierungsaufwand und Projektrisiken
- Schnellere Time- to- Value durch vorhandene Branchenlogik und erprobte Prozesse
- PIM und DAM sind beide in AutomotivePIM integriert
- Geeignet für Omnichannel inklusive Print
Nachteile
- Weniger branchenneutral, da auf den Aftermarket gemünzt
- Geringere Modellfreiheit außerhalb des Aftermarket-Kontexts
Eigenheit
AutomotivePIM ist kein leerer Baukasten, sondern eine klar fachlich ausgerichtete Lösung. Von der auf den Aftermarket spezialisierte Plattform mit klarer Prozesslogik profitieren IAM-Unternehmen daher in besonderem Maße.
3.2 Klassische PIM-Systeme: Generiker fürs Produktdatenmanagement
Klassische PIM-Systeme sind branchenneutrale Lösungen zur Verwaltung, Anreicherung und Ausleidung von Produktinformationen an verschiedene Ausgabekanäle. Durch die fachlich neutrale Ausrichtung müssen branchenspezifische Logiken über Konfiguration, Erweiterungen oder zusätzliche Systeme ergänzt werden.
Vorteile
- Single Source of Truth: Zentrale Verwaltung von Produktinformationen
- Unterstützung mehrerer Sprachen, Märkte und Kanäle
- Etablierte Workflows für Pflege, Freigabe und Qualitätssicherung.
Nachteile
- Keine native Abbildung komplexer Automotive Aftermarket-Logiken
- Produkt-Fahrzeug-Beziehungen, Standards und Medienabhängigkeiten müssen individuell modelliert werden
- Oft zusätzlicher Bedarf an DAM-, Publishing- oder Integrationslösungen
- Skalierungsaufwand steigt stark mit wachsender Komplexität
Eigenheit
Klassische PIM-Systeme sind funktional stark, aber fachlich neutral. Sie funktionieren sehr gut in Märkten mit überschaubarer Produktlogik. Im komplexen Automotive Aftermarket stoßen sie jedoch schnell an Grenzen, wenn sie nicht gezielt erweitert werden.
3.3 Open Source PIM Systeme: Branchenneutrales Baukastensystem
Open Source PIM-Systeme sind bewusste branchenneutral konzipiert, technisch flexibel und ohne vordefinierte fachliche Logik gebaut. Der Quellcode ist offen zugänglich und ermöglicht tiefgehende Anpassungen und Erweiterungen.
Vorteile
- Hohe Flexibilität bei Datenmodell und Prozessen
- Große Entwickler- Communities und Partner-Ökosysteme
- Gute Integration in bestehende IT-Landschaften
Nachteile
- Keine native Aftermarket-Logik oder Automotive-Datenmodelle enthalten
- Hoher Modellierungs- und Pflegeaufwand
- Weiterentwicklung liegen beim jeweiligen Anbieter oder Implementierungspartner
- Automotive Know-How liegt nicht im Produkt, sondern muss erst aufgebaut und ständig erweitert werden
Eigenheit
Ein Baukasten-Ansatz, der viel Freiheit bietet, aber auch viel Disziplin erfordert. Open Source Systeme sind bewusst branchenneutral angelegt. Für den Automotive Aftermarket eingesetzte bedeutet das ein umso höheres Maß an Disziplin und fachlichen Rat in Bezug auf die Besonderheiten des IAM.
Fazit: Digitale Souveränität als Wettbewerbsvorteil
Der IAM leidet heute unter sich rasant ändernden Bedingungen am Fahrzeugmarkt und damit einhergehender zunehmender Datenkomplexität. Wer als Hersteller oder Händler überleben will, muss seine digitale Souveränität zurückgewinnen.
Letztlich ist im Automotive Aftermarket ein PIM-System keine Option, sondern eine Voraussetzung, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die eigentliche Frage lautet, welcher Ansatz zur eigenen Datenrealität, Organisationsstruktur und Strategie passt:
- AutomotivePIM als für den IAM spezialisierte Plattform mit klarer Branchenlogik
- Klassische PIM Softwares als branchenneutrale und flexible Lösung
- Open Source PIM Systeme mit maximaler Freiheit bei höherem Aufwand
Eine spezialisierte, cross-funktionale Lösung wie AutomotivePIM von Bertsch Innovation ist deutlich mehr als eine reine Datenbank. Sie bildet das digitale Rückgrat, das Unternehmen im IAM dabei unterstützt, ihre Produkte auch in Zukunft erfolgreich zu vermarkten und zu vertreiben.
Quelle: Roland Berger „Future-proof automotive suppliers – Three imperatives for organizational success“ 12/2025
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